Unsortierte Gedanken zu KI

Ich gehöre zu den Menschen, die (wissentlich) keine KI nutzen und wirklich sehr skeptisch und kritisch sind. Da sind die Urheberrechtsverletzungen und der massive Energieverbrauch (gerade las ich bei Quarks, dass die USA planen, ein Atomkraftwerk nur für KI von Microsoft (!) wieder ans Netz zu bringen.),  die Misogynie, die in allem steckt. Da muss man sich nur mal angucken, was die KI GROK von Elon Musk so macht. Das will ich hier gar nicht verlinken.

Mal abgesehen von den aktuellen Vorfällen, dass eine KI den Forschungsraum verlässt und Schäden anrichtet. (Wobei die KI ja nicht den Stecker in die Internetbuchse gesteckt hat.) Den dystopischen Ankündigungen, dass die Menschheit in ein paar Jahren von der KI  vernichtet würde.

Wer Instagram nutzt, dem empfehle ich den Account von Alke Martens, Professorin für Praktische Informatik und Didaktik der Informatik an der Universität Rostock, die diese Dinge gut bespricht und einordnet – ohne grundsätzlich ablehnend zu sein.

Als Grafikerin spüre ich das natürlich auch in meinem Berufsalltag. Dieses Grundrauschen, das es jahrelang gab, Flyer, Postkarten, Visitenkarten, etc. ist komplett weg. Wobei das nicht zwangsläufig nur etwas mit KI zu tun hat. Solche Baukästen zum Selberbasteln gibt es auch schon lange, nur sind die auch immer besser geworden.

Das ist aber gar nicht der Punkt. KI ist ja “nur” ein Wahrscheinlichkeits- oder Durchschnittsrechner. Und deshalb wird alles durchschnittlicher. Bilder, Texte, das Denken, Kreativität, bis hin zur Individualität. Hier ein guter Text vom Kaffeehaussitzer, der ein paar anschauliche Beispiele aus einem Interview mit Dave Eggers beschreibt.

Dass man KI als Suchmaschine nutzt, ohne Quellenangaben, bzw. ohne die Quellen zu prüfen, ist mir komplett unverständlich. Ein Beispiel: Ich bekam neulich eine Mail von einer mir unbekannten Person, die fragte, ob ich die Ute Vogel sei, Jahrgang XY, die im Ort Soundso aufgewachsen sei. Sie war offensichtlich auf der Suche nach einer Freundin aus der Kindheit. Die bin ich aber nicht. Wir haben dann noch zwei- dreimal hin und her geschrieben und sie schrieb, sie hätte eine KI befragt und hat mir das Ergebnis geschickt. Da stand dann, Ute Vogel stamme aus dem Ort Soundso und sei ihm tief verbunden. Dann folgten Angaben zu mir, die alle stimmten. (was aus meinem Blog hervorgeht).

Also alles stimmte, bis auf die für die Person ausschlaggebende Information. Das war jetzt relativ einfach zu klären, aber ich frage mich, was Menschen, die KI alltäglich befragen,  mit diesen komplett halluzinierten Informationen machen, die sie nicht herausfiltern (können/wollen). Mich gruselt das. Und wenn man das alles überprüft, ist das doch zeitaufwende, dass man gleich „richtig“ recherchieren kann, oder?

Ein anderes Erlebnis war, dass mir jemand erzählte, er habe mit KI zu einem Thema recherchiert und sei dadurch auf meinen Blogpost zur Blücherstraße gestoßen, der ihm sehr geholfen hätte. Da war im Ergebnis also immerhin die Quelle hinterlegt. Da ist mir aber auch erst richtig bewusst geworden, dass alles, was wir hier ins Internet schreiben, von KI gefressen und verwurstet wird und wir haben keinerlei Einfluss darauf.

Rheinisches Bildarchiv

Das Stadtarchiv Köln hat auf Instagram im Oktober eine ausstellungsbegleitende KI-Bilderserie gestartet, bei der alles falsch und schlecht ist. Sie bekommen sehr viele kritische Kommentare dazu, alle sehr sachlich und ausführlich begründet. Nach vier Postings kam eine Stellungnahme, die absolut nichtssagend ist. Ich bin gespannt, wie und ob sie weitermachen.

Vor ein paar Jahren hat ein Museum einen ausstellungsbegleitenden Comic von einer KI erstellen lassen. (Ich verstehe bis heute nicht warum) und jemand erzählte aus der Produktion, dass man der KI immer sagen musste, es solle die Frauen “hässlicher” machen – damit sie aussehen wie “normale” Frauen. Der Comic sah aus wie ein Comic und man hätte auch eine/n IllustratorIn beauftragen können und ich möchte Sachen durch die Gegend werfen, bei dem Gedanken, wie viel Fördergelder da verbrannt wurden und ein/e IllustratorIn eben keinen Auftrag bekommen hat.

Da ist das Projekt Bilderinstitut von  Gesine Born, die unter dem Deckmantel, Frauen der Wissenschaften sichtbarer zu machen, KI Bilder von diesen Frauen erstellt. Diese KI Frauen haben natürlich alle große Busen, aufgeworfene Lippen, Rehaugen, makellose Zähne und porenlose Haut. Und wenn es historische Fotos von diesen Wissenschaftlerinnen gibt, stellt man fest, die sehen sich nicht mal ähnlich.

Bewerbungen

Kürzlich habe ich diesen Satz in einer Stellenausschreibung gelesen: „Du entwickelst gemeinsam mit den Founders die langfristige Product Vision und verantwortest Produkt- und Portfoliostrategie.“ Ich vermute, das hat eine KI ausgespuckt, obwohl es auch einfach nur dämlicher Marketing-Sprech sein kann. Aber natürlich schreiben Bewerbende Ihre Anschreiben mit KI, Lebensläufe werden mit KI gepimpt und auch Stellenausschreibungen kommen von der KI.  KI bewertet und siebt Bewerbungen aus und irgendwann passt eine KI-Bewerbung perfekt zu einer KI-Stelle, aber der Mensch passt nicht in den Job oder in das Unternehmen. Cathy Narriman hatte das neulich in einem Vortrag trefflich formuliert.

 

Es gibt eine Sache, wo ich mir tatsächlich KI wünschte, nämlich bei der Rechtschreibkorrektur von Google. Die korrigiert ja ein paar Sachen falsch und da fände ich es wirklich hilfreich, wenn sie es RICHTIG lernen würde.

Ich sage nicht, dass es nicht auch sinnvolle Anwendungen für KI gibt. Und nicht in allem, wo KI draufsteht, ist auch KI drin. Manchmal sind es ja einfach nur Algorithmen. Ich denke, im Moment ist es ein krasser Hype, den alle mal ausprobieren müssen und dann kommt eine Konsolidierungsphase, wo sicher viel merken, ach nee, blöd, langweilig, falsch. Und dann schauen wir mal.

 

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