Kunst
Ich hatte ja schonmal an andere Stelle geschrieben, dass ich Karina Syndicus für alles, was sie ist und tut bewundere. Sie ist Schauspielerin, Diplomclownin, Aktivistin, Künstlerin sowohl bildend, als auch performend. Ihr letzter Coup war, dass sie ihre Arbeiten, die sich (noch) in ihrem Besitz befanden, im September bei einer stillen Auktion angeboten hatte. Das, was nicht ersteigert würde, würde zerstört werden. Unter anderem war da ein Bild, in das ich mich schon schockverliebt hatte, als ich es zum ersten Mal in einer Galerie gesehen hatte, dann hing es nochmal in einer anderen Ausstellung und als ich es in der stillen Auktion sah, war klar, dass ich es haben musste.
Ich hätte pokern können, aber ich habe das geboten, von dem ich dachte, dass es tatsächlich wert sein könnte und was ich mir leisten konnte.
Und jetzt ist es hier.

Schlussstelle 1 bezieht sich auf den rheinischen Braunkohletagebau, für den unzählige Menschen umgesiedelt wurden, Orte und Heimaten verschwanden. Zu sehen ist ein Stück asphaltierte Straße, das im Nichts endet. In das Bild wurden die fotografierten Scherben eines zerbrochenen Tellers collagiert – so ein typischer Sammelteller mit Goldrand. Auf das Bild sind einige dieser Scherben aufgebracht. Und genau das ist der Dreh für mich. Von der Idee und Konzept und einem Foto in die dritte Dimension zu gehen.
Mich erinnerte das auch an die wunderbaren Arbeiten von Margarete Schopen-Richter, die sich künstlerisch mit ihrem verschwundenen Geburtsort Otzenrath beschäftigt.
Das Bild ist 30×40 cm groß und so hatte ich es auch in Erinnerung. Als Karina damit bei mir ankam – ja, die Künstlerin hat es persönlich geliefert! – war das gerahmt: 43 x 54 cm. Puh, ganz schön groß. Also passt es nicht in die Petersburger Hängung im Wohn-/Arbeitszimmer und wegen des Porzellans gehört es ja eh in die Küche. Aber es ist ein Solitär, d. h. ich muss die Küchenkunst umhängen.
So, jetzt hat der Rahmen wegen der Dreidimensionalität des Bildes kein Glas und wenn das jetzt in der Küche hängt, wo gekocht, gebraten und geraucht wird und außerdem die Gastherme hängt, sieht das in kürzester Zeit wie Hulle aus. Also müsste ich zu boesner, mir da was mit Glas empfehlen und vermutlich anfertigen lassen.
Seht dabei zu, wie ich mich mit Kunst ruiniere!
Andererseits und in Anbetracht der Thematik, wäre es aber vielleicht ein konzeptionell passender Prozess, wenn sich da mit der Zeit eine Kochdunst-, Bratfett-, Nikotin- und Ruß-Patina drauflegen würde. Ich muss da noch drüber nachdenken.
Träume
Ich habe Zeit meines Lebens wild geträumt. Plastisch, 3-D, in Farbe und Dolby-Surround. Und jahrzehntelang hatte ich fast ausschließlich Albträume. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal vermissen würde. Aber irgendwann fiel mir auf, dass ich nicht mehr träumte. Vielleicht seit zwei, drei Jahren nicht mehr. Das ging einher mit massiven Schlafstörungen. (Wechseljahre, my ass)
Vor ein paar Wochen fing aber das Träumen wieder an. Erst war es nur so ein Gefühl, mit dem ich morgens aufwachte, dann kamen kleine Erinnerungsschnipsel hinzu, die ich aber nicht greifen konnte und irgendwann waren da wieder richtige Träume, an die ich mich morgens erinnern konnte. Als mir das bewusst wurde, stand ich eines Morgens in der Küche und habe fast geheult vor Freude. Ohne Träume fehlt doch eine Dimension Leben. Nächte sind einfach nur ein schwarzes Loch.
Die krassen Schlafstörungen habe ich leider immer noch.
Familienforschung
Ich hatte mal wieder einen Recherche-Schub und habe viel im Deutschen Zeitungsportal rumgesucht. Da findet man u. a. Bekanntmachungen zu Geburten, Verlobungen, Hochzeiten und Sterbefällen. Natürlich nur ganz rudimentär, aber ich habe so entdeckt, dass es bei einer Familie noch ein weiteres Kind gab, Kinder zu einem bis dato kinderlosen Paar gefunden und kann da nun in den Zivilstandsregistern und Kirchenbüchern nachforschen. Ein paar Sterbefälle habe ich auch gefunden.
Wenn man UnternehmerInnen bei den Vorfahren hat, findet man ggf. Bekanntmachungen aus den Handelsregistern oder Erbangelegenheiten. Auch Kleinanzeigen können eine Quelle sein, die ein bisschen “Fleisch” zu den üblichen Eckdaten geben.
Ebenso findet man Bekanntmachungen über militärische Auszeichnungen und wenn man Kriminelle unter den Vorfahren hatte, finden sich da auch Berichte über Straftaten und Gerichtsurteile. 😉
Des Weiteren ist es auch eine gute Quelle für Sportergebnisse (in einem angeheirateten Familienzweig gab es ein paar Radsportler, die recht erfolgreich waren), Vereinsnachrichten und wenn unter den Vorfahren Menschen sind, die von öffentlichem Interesse waren, ist das eh hilfreich.
Mysteriös
Ich habe mir zwei Paar Vintage Converse Chucks gekauft. Eins in Weiß, eins in Schwarz. Gleiches Modell, gleiche Größe. Die weißen passen perfekt, sogar mit Einlagen, die schwarzen sind zu eng, ohne Einlagen. Wie kann das bitte sein??

Via Mastodon bekam ich dazu schon einige Antworten und manche berichteten, dass sie die gleiche Erfahrung auch mit anderen Kleidungsstücken gemacht haben. Zudem gibt es die Theorie, dass eine andere Maschine, eine andere Fabrik oder ein woanders hergestellter Stoff zu solchen Ergebnissen führen kann. Dä! Zwischenzeitlich konnte ich das nicht passende Paar aber glücklicherweise wieder verkaufen.
Serien
Empfehlenswerte Serien,die ich seit Juli gesehen habe.
19-2, schon ein paar Jahre alt (2014-2027). Kanadische Polizeiserie in vier Staffeln, die mit sehr guten Figuren sehr dicht erzählt wird.
Silo, dystopischer SiFi nach der Romantrilogie von Hugh Howey. Menschen leben in einem brutalistischen, unterirdischen Silo. Das Leben ist sehr analog, es gibt nur rudimentäre Technik und keinen Kontakt zur Außenwelt. Keiner weiß warum.
2023 habe ich die erste Staffel gesehen, irgendwann die zweite und neulich die dritte. Und weil ich alles immer schnell vergesse, muss ich bei einer neuen Staffel immer wieder von vorne anfangen, d. h. ich habe die erste Staffel dreimal gesehen und fand sie immer noch super. Im Herbst 2027 erscheint vermutlich die vierte und finale Staffel.
Bleikinder, hatte mir meine Buchhändlerin empfohlen: Eine Art Erin Brockovich auf polnisch, auch nach wahren Begebenheiten. Es spielt in den 1970er Jahren in Schlesien, wo sich die Kinderärztin Jolanta Wadowska-Król, für die Gesundheit tausender Kinder in einem von Industrieabgasen belasteten Gebiet einsetzte. Fabelhaft ausgestattet und sehr bedrückend. Angesichts der Bilder musste ich oft auch an das Ruhrgebiet der 70er Jahre denken.
Bücher
Ich bin sehr dankbar, dass mich Wibke mit Alina Bronsky bekannt gemacht hat. Also mit einem ihrer Bücher. Sie hatte mir Essen geschenkt, was thematisch gut passt und das ich sehr gerne gelesen habe und weil mir der Schreibstil so gut gefiel, habe ich danach Barbara stirbt nicht gelesen. Eine sehr berührende und auch traurige Geschichte, so wunderbar geschrieben. (Es ist mir ein Rätsel, warum es auf dem Klappentext als “urkomisch” beschrieben wird.)
Danach las ich Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche und das ist die verrückteste Geschichte, die ich seit langem gelesen habe. Grandios, sich sowas auszudenken. Interessant ist, dass fast alle Figuren bei Alina Bronsky ganz fürchterliche Menschen sind, die sie aber mit viel Empathie kreiert und sie wachsen einem irgendwie ans Herz.
Ach, wie schön! Ich freue mich, dass das Bild den Weg zu dir gefunden hat. Es ist so toll, wenn da plötzlich was bei einem wohnt, um das man vorher etwas träumend schlicht. Und apropos träumen (toller Übergang, was?), Ich träume auch immer, sehr intensiv, schon immer. Ich kann mich an Träume erinnern, als ich noch nicht in der Schule war. Ja, Albträume nennt man das. Aber auch mir würde etwas fehlen. Inzwischen – und das noch nicht lang – habe ich wirklich begriffen, dass ich da alles weiterverarbeite, was ich erlebe. Und wenn ich das nicht tue, bin ich nicht fertig. Sprich: Viel los, intensive Tage = intensive Träume. Das Gehirn rackert eben weiter, aber räumt damit auch in sich auf. Dann weiß ich auch, dass ich noch funktioniere. Nur Schlafstörungen, damit darfst du bitte aufhören!
Das ist mir schon lange bewusst, dass ich ganz viel übers träumen verarbeite. Manchmal ist es ja wirklich 1:1, manchmal winkt die Küchenpsychologin mit dem Zaunpfahl, aber manchmal frage ich mich auch: Häh, wie kommt sowas in meinen Kopf?
Ganz krass war das nach dem Tod meines Vaters, sehr interessant war da auch, wie sich da die Träume im Lauf der Zeit verändert haben.
Und ganz manchmal ist das Träumen auch besser als fernsehen. 😉