Ragnar Kjartansson: Sunday Without Love
Die Ausstellung in der Kunsthalle Recklinghausen musste ich sehen. Ich habe Ragnar Kjartansson vor 3 Jahren zufällig im Louisiana Museum entdeckt, wo er eine große Einzelausstellung hatte und die hatte mich total geflasht. Er ist ein Multitalent, kommt ursprünglich von der Musik, die in seinen aufwändigen Videos auch immer eine Hauptrolle spielt, er macht Installationen, Performances und er malt.
Ich hasse es normalerweise, mir in Ausstellungen Videos anzugucken. Bei Kjartanssons Arbeiten ist das anders. Liegt vielleicht auch an den riesigen Leinwänden. Aber die Arbeiten haben was hypnotisches, fesselndes, obwohl selten viel passiert.
Am besten gefielen mir die Videoarbeiten Sunday Without Love (2025, 19:14) und No Tomorrow (2022, 29:18).
No Tomorrow hatte ich schon im Louisiana gesehen, habe ich mir aber nochmal angeguckt. Acht Frauen, die gleich angezogen sind, spielen auf akustischen Gitarren und folgen einer Choreografie. Sechs Leinwände sind im Kreis aufgestellt und man betrachtet das aus der Mitte des Kreise und kann natürlich nie alles sehen. Die Protagonistinnen agieren über diese sechs Leinwände hinweg. Kjartansson bezieht sich auf das Konzept von “Musik im Raum” von Karlheinz Stockhausen. (Hier sind Bilder zu sehen)
Sunday Without Love wurde von einer kitschigen Postkarte inspiriert. 10 Menschen in Trachten stehen, sitzen, liegen in einer idyllischen Landschaft und spielen/singen das Lied Ohne Liebe Leben lernen, das von Rocko Schamonie stammt und Kjartansson ins Englische übersetzt hat, You must learn to live without love. Das ganze ist so minimalistisch und ruhig, erfährt aber auch eine ganz langsame Steigerung.
Weiter unten auf dieser Seite gibt es eine sehr schönes Making Of.
Erstaunlich gut gefallen haben mir auch die großformatigen Gemälde Weekdays in Arcadia, die wie das Video No Tomorrow was von Pastoralen haben. Sie zeigen isländische Landschaften in denen sich minikleine Farbkleckse befinden und wenn man ganz nah rangeht, erkennt man Menschen in gelben Warnwesten, oder knallrote Quads oder Trecker.
Schade fand ich, dass die sieben Videos Figures in Landscapes auseinandergerissen wurden. Drei davon wurden in den Fenstern der Kunsthalle gezeigt, so dass man sie theoretisch von außen betrachten konnte, aber da knallte so die Sonne drauf, dass man gar nichts sehen konnte. Grundsätzlich finde ich das ja eine gute Idee, sich mit der Ausstellung auch nach außen zu öffnen, aber in diesem Fall war es kontraproduktiv. Nicht, dass ich mir die jeweils 24-stündigen Videos hätte komplett angucken wollen, aber ich hätte gerne einen parallelen Eindruck gewonnen.
Es waren ja nur fünf Arbeiten zu sehen und ich habe mich kurz gefragt, ob sich die Fahrt nach Recklinghausen wirklich gelohnt hat. Aber ja, ich bin froh, sie (nochmal) gesehen zu haben. Kjartansson kriegt man ja nicht allzu oft zu sehen und sie werden noch eine Weile in meinem Kopf nachschwingen.
Die Ausstellung lief vom 3. Mai – 16. August 2026
Fotos und Architektur

Und dann war ich tatsächlich auch mal wieder in einem Kölner Museum. Besuch hatte sich angekündigt und wollte im MAKK die Ungers Ausstellung sehen, ich hatte im Kopf, dass da eine Ausstellung zu Architekturfotografie war und vor Ort kapierte ich dann, dass es zwei Ausstellungen sind. Die Ungers Ausstellung ist in der Halle des Museums und nicht besonders groß. Die Kuratierung ist schwer nachvollziehbar, was mir die Begleitung, die sich viel besser mit Architektur auskennt, bestätige. Ich fand sie auch mit 6 EUR überteuert.
Bei Oswald Mathias Ungers hatte ich nur das Wallraf-Richartz-Museum im Kopf. Er hat viel gelehrt und viel Theorie publiziert. Fan von seinen Bauten bin ich nicht. Mir ist das alles zu klobig, martialisch und zu männlich. Ungers hat für seine Gesamtkonzepte auch KünstlerInnen hinzugezogen und einzig das Mokka-Service von Rosemarie Trockel hat mich entzückt.

Mokka-Service von Rosemarie Trockel
Hier gibt es eine gute Rezension zur Ausstellung und Ungers Werk.
Die Architekturfotografie – Einzelausstellung von Hans Georg Esch – hat mich begeistert. Fantastische Fotos, sehr umfangreich und sehr gut gehängt. Mir gefiel die Vielfalt der Fotografien. Nicht nur dokumentarische, die gab es auch, aber auch viele Details, die in der Hängung interessant waren, wo eine Art Typologie geclustert wurde, von unterschiedlichen Gebäuden und Architekten. Ganze Stadtansichten, Innenräume und auch Baustellen (Stuttgart 21, hahaha). Ein Foto hat mich besonders beeindruckt: Die Kölner Oper, vom hintersten Winkel der Hinterbühne, quasi der schwarze Maschinenraum und im Hintergrund die verhältnismäßig kleine Öffnung zum Zuschauerraum, mit den ikonischen Logen von Riphahn.
Läuft noch bis zum 27.9.2026 im MAKK.
Ein Todesfall

Mein letzter Onkel ist gestorben. Nun habe ich keine Herkunftsfamilie mehr. Ich mochte ihn, aber wir hatten nicht viel Kontakt und wir waren auch nicht eng miteinander, aber nun ist das letzte Fädchen gerissen. Ohne eigene Familie und ohne neue, eigene, tiefe Verwurzelung löst das jetzt nochmal ein paar Sachen in meinem Kopf aus, alte Trauer ploppt auf und diese klebrigen Existenzfragen drängen sich mal wieder auf.
Da die Trauerfeier in den Niederlanden stattfand und mir sechs Stunden Hin- und Rückfahrt too much waren, habe ich mich darüber gefreut, per Livestream dabei sein zu können. Das kannte ich auch noch nicht. War ein Angebot des Beerdigungsinstituts. Die NiederländerInnen sind ja in Vielem weiter und progressiver.
Es war ein bisschen seltsam aber auch sehr bewegend und komplett religionsfrei und ich bin froh, dass ich so teilhaben und Abschied nehmen konnte.
Ich hatte früher an dem Tag noch eine Verabredung mit einem Instagram-Kontakt – wir waren uns noch nie begegnet – und das war sehr nett und ich habe mich ein bisschen verquatscht und schreckte plötzlich auf, als ich die Zeit sah. Ich bin abrupt aufgebrochen, mit einem Affenzahn nach Hause geradelt, die vier Etagen hochgerannt (was ich noch nie gemacht habe) und war dann doch fast pünktlich vor dem Stream, weil der auch leicht verspätet anfing. Da fiel mir wieder ein, dass ich auch zur Beerdigung meiner Mutter zu spät war, weil ich irgendwie die Zeit vertüddelt hatte. Wer weiß, vielleicht komme ich auch zu meiner eigenen Beerdigung zu spät.

Ach Ute, das tut mir leid, dass dein Onkel gestorben ist. Und interessanterweise eint uns das mit dem online bei der Beerdigung dabei sein. Mein Onkel lebte in Amerika und starb im Mai. Im Juli war ich dann auch in Zoom bei seiner Trauerfeier. Schon strange, aber ich war froh, die Möglichkeit zu haben. Guter Plan übrigens, bei seiner eigenen Beerdigung zu spät zu sein!!!! So machen wir das!!
💞