Weil der Mai so prall und ereignisreich ist/war, teile ich mein Monatsgeblogge auf.
Boule und Essen
Am 1. Mai war ich Boule spielen. Ich glaube, das habe ich mal während des Studiums ein paar mal gespielt. Also schon ziemlich lange her. Eine Freundin lädt regelmäßig ein, aber da das immer sonntags stattfindet und ich mich sonntags schlecht zu irgendwelchen Aktivitäten aufraffen kann, war das nun an einem Freitag sehr passend für mich. Ich hatte ein bisschen Anfängerinnenglück, aber besonders begabt bin ich wohl nicht. Ich kann mir nicht merken, wem welche Kugeln gehören und wessen Kugel wo liegt. Egal, wir hatten Kaiserwetter und es hat Spaß gemacht. Danach gab es noch ein hervorragendes Essen und hervorragende Getränke und der Abend endete spät und fröhlich.
Kusama Ausstellung
Ich hatte eigentlich gar kein Interesse an der Kusama Ausstellung. Ich bin grundsätzlich skeptisch bei solchen “Blockbuster”-Ausstellungen und hatte überhaupt keine Lust auf gepunktete Kürbisse und war schon via meines Instagram-Feeds gesättigt. Aber dann bekam ich eine Einladung und habe die doch gerne angenommen und bin sehr froh darüber. Funfact ist, dass es zwar viele Punkte gibt, aber nur sehr wenig Kürbisse zu sehen sind.
Ich kenne die Biografie von Yayoi Kusama nur rudimentär (Ich versuche gerade, ihre Autobiografie antiquarisch zu bekommen), aber ich bilde mir ein, die Entwicklung ihrer Persönlichkeit gut in der Ausstellung ablesen zu können. Besonders großartig fand ich ihre frühen Arbeiten, die eher kleinformatigen Zeichnungen. Da war ich hin und weg. Wir haben uns auch für ihre immersiven Installationen angestellt, aber das sind die Sachen, die man schon zigfach gesehen hat und die haben mich nicht so sehr abgeholt. Ihr Werk, das ja noch nicht beendet ist, ist aber wirklich beeindruckend. Ich wusste vorher auch gar nicht, wie vielfältig sie arbeitet, dass sie Kleidung gemacht und mit Keramik gearbeitet hat, dass sie schreibt, etc.
Die Ausstellung ist noch bis zum 2.August 2026 im Museum Ludwig zu sehen. Obacht: Man muss sich vorab ein terminiertes Ticket buchen und viele Tage sind schon ausgebucht.
Arne Schmitt in der artothek
Ein paar Tage später sah ich mir die Ausstellung Die Gute Form, es gibt sie nicht von Arne Schmitt in der Kölner artothek an. Ich fand schon den Titel amüsant, weil mir Die gute Form seit dem Studium ein Begriff ist und man sich als Designerin damit auseinandersetzen muss. Arne Schmitt beschäftigt sich in Fotografien und Texten mit Stadtbildern und -räumen. Da mich das fotografisch auch interessiert, auch immer unter dem Designaspekt, wollte ich die Ausstellung unbedingt sehen.
Ich wollte hinterher noch mehr über Arne Schmitt und seine Arbeit lesen und stellte fest, dass es einen Verschwörungsschwurbler gleichen Namens gibt. Der Künstler hat keine eigene Website und so musste ich mich erstmal durch eine Menge Mist wühlen, bis ich was Interessantes fand. Aber wie blöd ist das, wenn man so einen dusseligen Namensvetter hat? Da würde ich als Künstler meinem Namen doch irgend einen Zusatz hinzufügen, ein Initial, oder Ähnliches. Den Namen will man ja auch nicht als Hashtag benutzen. Nojo.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 20.Juni 2026.
Krefeld, 40 Jahre Abi
Seit dem Tod meiner Mutter war ich nur noch einmal in Krefeld gewesen, um auf dem Friedhof das inzwischen eingeebnete Familiengrab zu begutachten und um mich dort endgültig zu verabschieden. Es gibt für mich keine Gründe mehr, nach Krefeld zu fahren. Bis auf das 40-jährige Abi-Treffen. 40 Jahre! Da ich dort das eine oder andere Glas Wein trinken wollte, fuhr ich mit dem Zug und das war mal wieder eine solche Komplettkatastrophe. Mit dem Auto hätte ich ca. eine Stunde von Tür zu Tür gebraucht. Auf dem Hinweg waren es mit Öffis zweieinhalb Stunden und auf dem Rückweg über zwei Stunden. Und weil der letzte Zug schon um 23:35 fuhr, war ich für drei Stunden Party fast fünf Stunden unterwegs. Bescheuert. Aber es war sehr nett und ich wäre eigentlich auch noch gerne länger geblieben.

Was mir zum ersten Mal auffiel, den Krefelder Seidenweber gibt es jetzt auch als Ampelmännchen. Niedlich.
re:publica Stream
Ich habe in diesem Jahr wieder drei Tage vor dem Stream der re:publica gesessen (nicht durchgängig, aber schon ziemlich viel) und mir über mehrere Abende hinweg viele Videos angeguckt. Gestreamt wurde ja nur von Stage 1 und der erste Tag war ganz schön dystopisch:
Opening Keynote: How Silicon Valley is Reshaping the World – via AI, Zerstörungslust – Warum so viele Menschen die Demokratie brennen sehen wollen, Digitale Macht begrenzen: Der Weg in die digitale Souveränität (Wir haben die Gesetze, aber sie werden nicht angewendet), KI und der neue Faschismus, Gegenstrategien zum Frauenhass (wo erst mal viele Beispiele von Misogynie gezeigt wurden), Quo vadis Meinungsfreiheit?
Puh, da war ich am Nachmittag nicht mehr gut drauf.
Aber dann habe ich sehr viele Videos von motivierenden, klugen und inspirierenden Menschen gesehen, dass ich am 2. Tag dachte: Yippieh, morgen kann die Welt ein besserer Ort sein. (was natürlich (noch) nicht passiert ist. Aber der Gedanke, den ich am Ende der re:publica hatte, war, dass die re:publica ein guter Ort, eine gute Plattform ist. Zigtausende Menschen, die alle sehr unterschiedlich sind, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen, aber sie alle eint die Liebe zur Demokratie und zur Solidarität, die Stärkung der Zivilgesellschaft. Und die Welt und die Menschen sind gar nicht so garstig, wie es in Medien und Politik (vor allem der gegenwärtigen Regierung) vermittelt wird.
Hier ein paar (youtube) Videos von Vorträgen und Panels, die ich gut fand:
Arne Semsrott: Weg mit der Ohnmacht, wir bilden die Gegenmacht!
“Die Zukunft scheint immer düsterer: Wir erzählen, welche Ideen, Innovationen und Science Fiction uns gegen die Weltuntergangsstimmung geholfen haben.“ Petra Pinzler und Stefan Schmitt vom freundlichen Krisenpodcast der ZEIT skalieren Technologien, die es jetzt schon gibt, auf 10 Jahre hoch.
Albrecht von Lucke. (Große Bewunderung für Menschen, die eine Rede mit so viel Verve frei halten können). Ich fand den Titel schon gut: „Von Habermas zum Podcast: Das Ende der Schriftkultur und die verquatschte Republik.“ Ich nickte innerlich bei Vielem, bei Anderem bin ich mir nicht sicher, ob es kulturpessimistisch ist. Er endete mit der Idee, die re:publica als Buch zu publizieren. Fände ich gut.
Wer wie ich zum Pessimismus und zur Melancholie neigt und sich schnell von Dystopien mitreißen lässt, sollte sich unbedingt den Vortrag „Radikal hoffnungsvoll: Denn unser Hirn gibt niemals auf“ der Neurowissenschaftlerin Maren Urner anschauen. (Hurra, mein Gehirn ist eine Optimistin)
Und das starke Panel mit Constanze Kurz, Alice Hasters, Luisa Neubauer, Carolin Emcke „Never Gonna Give (You) Up – Warum wir immer weiter machen„.
Ganz kurz kam mir der Gedanke, nächstes Jahr vielleicht doch mal wieder zur re:publica zu fahren und den Spirit vor Ort einzufangen. Ich glaube, ich war 2015 das letzte mal da und ich war auch schon viel zu lange nicht mehr in Berlin, habe den aber sofort wieder verworfen: Inzwischen viel zu teuer und ich weiß noch, dass ich beim letzten Mal irgendwie nur von Stage zu Stage mäandert bin und immer war ich entweder falsch, oder zu spät, oder die Session war dann doch nicht das, was ich erwartet hatte, oder es gab keine Plätze mehr, ich kannte vor Ort dann doch viel weniger Menschen, als ich dachte, oder, oder. Da finde ich es inzwischen viel bequemer, mir das am Schreibtisch oder auf dem Sofa anzugucken. OK, vor Ort Menschen zu treffen ist natürlich auch sehr nett.
Der Mai ist ein guter Monat. Ich lasse mich von dir mal inspirieren und verblogge meine Ausstellungsbesuche, sind bei mir auch einige zusammengekommen. Danke dir auch für das Rauspicken einiger re:publicas. Ich habe da wirklich den Faden verloren, aber vielleicht sollte man ihn wieder aufnehmen. Ist ja wirklich eine gute Sache, dass es sie gibt.
Man braucht so dringend Inspiration für das Gute.
Och, Berlin geht auch ohne re:publica! Dann kann es auch mal nicht zu teuer sein. Und im Mai bzw. im Sommer kann Berlin schon sehr sehr schön sein!
Stimmt, so ginge es auch. 🙂