Mein Februar 2026

Angefangene gestrickte SockeErst mal ein Frauenthema: Ich war jahrzehntelang im Team kalte Füße. Ein rarer Vorteil der Wechseljahre ist, ich hatte plötzlich keine kalten Füße mehr. Hurra. Jetzt bin ich mit dem Mist so einigermaßen durch oder noch in der Postmenopause – man weiß es ja immer nie so genau –  und plötzlich habe ich wieder kalte Füße! Orrr. Also im Winter mit Socken ins Bett. Und dann stellt sich heraus, dass ich gar nicht genug Bettsocken habe und ich fing an, mir nach ewigen Zeiten mal wieder Socken zu stricken. Das ist der Fortschritt nach einigen Wochen. Vielleicht klappt’s dann mit denen im kommenden Winter.

Dann war das auch der Karnevalsmonat. Ich hasse Karneval und fliehe dann eigentlich immer in dieser Woche aus Köln. Ich hatte eine Option, die Woche im Ruhrgebiet zu verbringen, dann stellte sich aber heraus: Oh, hier gibt es einen Rosenmontagszug und der stellt sich vor dem Haus auf und im Nachbarhaus ist eine Kneipe, die Karnevalpartys machen. Ok, dann habe ich das gecancelt, da wäre ich ja von der Traufe in den Regen gekommen. Und richtig wegfahren, mit Unterkunft bezahlen und allem Pipapo, ist in diesem Jahr leider nicht drin. Nojo.

Als das nun klar war, hatte ich kurz darauf einen Aufkleber an der Haustür, mit der Info, dass der Geisterzug  in diesem Jahr durch mein Veedel und auch durch meine Straße ginge. Meine erste Reaktion war: Oh no! Der zweite Gedanke: Ach wie nett, dann gehe ich da mal wieder hin.

Der Geisterzug ist alternativer Karneval und eigentlich eine politische Demo. Er fand erstmals 1991 statt, als der Rosenmontagszug wegen des Golfkriegs ausfiel. Die Geschichte ist ganz interessant.

Und dann war ich an dem Abend mit zwei Freund*innen an einem kleinen Platz im Veedel verabredet. Wir standen da am Rand, tranken ein Bier und ließen den Zug passieren und es war wirklich nett. Viele kreative Kostüme, keine schlimme Karnevalsmusik, nur Trommelgruppen, freundliche Stimmung und nach zwei Stunden gingen wir wieder nach Hause. Nur im Nachklapp dann das übliche – und diesmal etwas mehr als an einem normalen Wochenende – besoffenes Gegröle am späteren Abend und in der Nacht.

Kleines Intermezzo beim Gastroenterologen.

Dann begann die Karnevalswoche und es war gar nicht so schlimm wie befürchtet. Das war vermutlich dem schlechten Wetter geschuldet. Es war ja wieder recht kalt geworden und es regnete zwischendurch auch immer mal mehr oder weniger heftig. Nachts natürlich immer das besoffene Rumgegröle, aber das ist nicht so schlimm, da schlafe ich dann ausnahmsweise bei geschlossenem Fenster und – wie meistens – mit Ohropax. Am schlimmsten war der Dienstag, wo nachmittags, wenige Meter entfernt, der Veedelszoch vorbeizieht. Die am Ende der Straße liegende Kneipe hat in den vergangenen Jahren oft die Straße mit Musik beschallt und dann einen MC mit Mikrofon am Start, der alle vorbeiziehende Gruppen begrüßte und kommentierte. Das war in diesem Jahr glücklicherweise nicht der Fall. Abends dann noch die Nubbelverbrennung, ich saß mit meinen noise-canceling-Kopfhörern auf dem Sofa und dann war das auch abgehakt.

Tagsüber habe ich mich eingeigelt und mich mal wieder etwas intensiver mit der Familienforschung beschäftigt. Vom 6. bis zum 14. Februar fand nämlich die Online-Konferenz Genealogica statt und ich hing da viele Stunden vor dem Stream. Natürlich gab es wieder viele neue, inspirierende und interessante Informationen, die man dann ja auch gleich in die Tat umsetzen will. Ich habe mir ein Monatsabo bei Ancestry gegönnt und da tatsächlich die Zivilstandsregister von Falkenberg Kreis Neurode gefunden. Von dort stammt mein Urgroßvater väterlicherseits und tatsächlich ist der Familienzweig Vogel der bislang am wenigsten erforschte. Ich habe mich also durch die Jahre 1874-1938 geblättert und alles gespeichert, wo der Name Vogel steht. Im Nachgang werde ich dann alles zusammenpuzzeln und vermutlich sind es gar nicht alle meine Vorfahren. Dann gibt es da noch ein paar Nachbardörfer zu bearbeiten, das habe ich alles gar nicht im Februar geschafft.

Das Blöde ist, dass ich so viel Spaß an diesen Recherchen und dem Zusammenpuzzeln habe, dass ich mich darin stundenlang versenken kann und dabei leider andere wichtige Dinge “vergesse” aka prokrastiniere.

Im Januar hatte ich ja erzählt, dass ich an zwei kleineren schönen Aufträgen arbeite. Der größere ist fertig und abgegeben – eine Rückmeldung steht noch aus. Die Logoentwicklung lag eine Weile bei der Auftraggeberin – die muss darüber ja auch ausgiebig simmelieren – da kam dann aber eine zufriedene Rückmeldung inklusive ein paar Ergänzungswünschen.

Dann huschte noch ein kleiner und sehr schöner Auftrag rein, der mich im März nach Karlsruhe führt, bzw. es war andersrum, ich hatte eh einen Kurztrip dorthin geplant und schon gebucht und daraufhin kam der Auftrag. Hihi.

Kurzes Intermezzo bei der Hausärztin.

Aus privaten Gründen bin in den 90er und 2000er Jahren ziemlich viel im Belgischen Viertel rummäandert. Ich hatte auch mal ein paar Jahre lang eine kleine Agentur in einer Querstraße der Ehrenstraße. Ich war da ja schon late to the Party, aber was war die Ehrenstraße da noch cool. Da hingen die Punks neben dem Plus-Supermarkt ab, der Doc-Martens Shop, die beste Gyros-Bude, der inhabergeführte linke Buchladen, das fabelhafte Programmkino, der Künstlerbedarfsladen, der Kunstbuchladen und so viele kleine kultige Läden: das Kaufhaus Kilo, wo man Second Hand Klamotten nach Gewicht kaufte, das DOM, mit außergewöhnlichem Schnickschnack und Disco-Fassade, ein Laden, der nur weißes Porzellan führte, eine Puppenklinik … so vielfältig, so viel (Sub-) Kulturen friedlich beieinander.

Nach sehr vielen Jahren bin ich da heute durchgeschlendert und auch wenn es toll ist, dass die Straße jetzt autofrei ist – wie egal und uninteressant ist es jetzt da. Da waren vielleicht noch maximal fünf Läden, an die ich mich erinnern konnte. Ansonsten nur gleichförmiger Klamotten-Einheitsbrei, drei “hippe” Kleingebäck-/Kaffeebuden, die alle gleich aussahen. Selbst die internationalen Marken-Shops, die da schon Anfang der 2000er eröffneten, sind auch schon wieder verschwunden.

Intermezzo beim Zahnarzt.

Dann war ich am letzten Tag des Februars im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich.

Ich habe ja ein Faible für Glas und das stand schon länger auf dem Zettel. Klassischerweise natürlich viele Kirchenfenster und sakrale Kunst, aber das war schon interessant, die auch mal aus der Nähe betrachten zu können.

Es gibt zwei Probescheiben von Gerhard Richter für das Fenster im Kölner Dom. Mir war gar nicht klar, wie aufwändig das Herstellungsverfahren war. Und ich war entzückt zu entdecken, wie viele Arbeiten von Künstlerinnen auch in der ständigen Ausstellung hängen.

 

Ein Kommentar

  1. Oh ja, die Ehrenstraße!!! Was für ein Wandel. Egal ist ne schöne Beschreibung. Charakterlos würde ich sagen. Ich bin ja nicht mehr so oft in köln unterwegs. Aber ist schon krass. Auch letztens im Belgischen Viertel eine Verabredung gehabt und mich da deplatziert gefühlt.
    Der Lauf der Zeit!!

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